Presseinformation: „Der Traum der Vernunft und die Ungeheuer, die er gebiert“

Nr. 146/2008 - 01.07.2008

Workshop des LichtenbergKollegs: Prozesse der Aufklärung in Europa

(pug) Unter der Überschrift „Der Traum der Vernunft und die Ungeheuer, die er gebiert“ befasst sich ein Workshop an der Georg-August-Universität mit Prozessen der Aufklärung und der Rationalisierung in Europa. Dabei geht es insbesondere um das Phänomen der „Rationalitätsskepsis“, das über das 18. Jahrhundert hinaus auch mit Blick auf die europäischen Kulturen der Vormoderne analysiert werden soll. Eine Göttinger Forschergruppe mit Vertretern der Literatur- und der Geschichtswissenschaften, der Theologie und der Rechtswissenschaften wird darüber mit geladenen Experten aus dem In- und Ausland diskutieren. Die Veranstaltung findet am 4. und 5. Juli 2008 statt und ist ein Beitrag zum Aufbau des LichtenbergKollegs, das die Universität Göttingen im Zuge der Exzellenzinitiative zur Förderung geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Forschung eingerichtet hat.

„Die Tendenzen zu Rationalisierung und Bürokratisierung von Gesellschaften, die charakteristisch für das Europa der Aufklärung waren, sind nicht universal übertragbar und führen nicht zwingend zur Demokratisierung und in den Rechtsstaat hinein. Im Gegenteil: Angesichts neuer globaler Probleme wie religiösem Fundamentalismus hat sich vielfach eine Rationalitätsskepsis breit gemacht“, betont Prof. Dr. Frank Rexroth vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte. „Welche Widerstände Aufklärungs- und Rationalisierungsprozesse in der Vergangenheit provoziert haben, wollen wir in ihrer historischen Tiefe bis in das Mittelalter zurückverfolgen, denn in den Kulturwissenschaften werden diese Phänomene bislang meist nur mit einer zeitlichen Verengung auf die vergangenen 200 Jahre begriffen“, erläutert Prof. Rexroth. Mit dieser Veranstaltung präsentieren die Göttinger Forscher das von ihnen beantragte Graduiertenkolleg „Expertenkulturen des 12. bis 16. Jahrhunderts“.

Mit dem LichtenbergKolleg als einem zentralen Projekt im Zukunftskonzept der Universität verfolgt die Georgia Augusta das Ziel, wichtige Forschungsideen und -aktivitäten in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften in der Diskussion mit international ausgewiesenen Wissenschaftlern zu identifizieren und auszubauen. Der „traditionellen“ Kolleg-Idee folgend schafft das Göttinger LichtenbergKolleg herausragenden Forschern für ein Zusammenwirken an einem Ort den Freiraum für konzentriertes Forschen, einen intensiven Austausch sowie für fachliche und fächerübergreifende Kooperationen.


Lichtenberg Kolleg